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Versetzt man sich in den Mindset derer, die das Buch wahrnahmen, als es schließlich 1960 in den USA erschien und betrachtet die Bilder von desillusionierten Arbeitern, die wortlos im Diner sitzen, von den schwarzen Köchinnen, die ihnen die Fried Eggs braten, den ausdruckslos in ihren Autos sitzenden, schwitzenden Rentnern, den offensichtlich falsch lächelnden Politikern auf Wahlkampftour, dann neigt man zum Verständniss für die Annahme, dass hier jemand tendenziös auswählte. So trostlos und trist sah man sich nicht.
Oh, es riecht gut!
Klingklong, ten o’clock postman, ein fünf Kilo schweres Paket, Aufreißlasche gezogen und plötzlich riecht es nach Papier – frisch bedruckt, da vakuumverpackt bis untern Gabentisch – Weihnachten im Studio B!
Damit Eure artgleichen Geschenke nicht nur so gut riechen wie die unseren, sondern auch genauso spannend, interessant, lustig, traurig, blutig, lecker, klebrig, staubig, seltsam sind, erzählen wir Euch, was in unserem Paket drin sein wird.
Das Ganze wie schon letztes Jahr praktisch in Bücher für Generationen unterteilt, die da von uns willkürlich festgelegt wurden: Kinder, Gleichaltrige, Eltern und Großeltern.
Wir wünschen froheste Weihnachten und die übliche Sauferei eine Woche später,
wie in diesem, so im nächsten Jahr, freudigst,
Irmgard Lumpini und Herr Falschgold
Weihnachten für die Großeltern
„Weil sich die Sehstärke unserer Großeltern im letzten Jahr nicht entscheiden verbessert haben sollte, jedoch jedes Jahr zum Leidwesen der Nachbarn lautere Stereoanlagen fuer unsere Senioren auf den Markt kommen, verschenken wir auch dieses Jahr wieder ein Hörbuch.“
Weihnachten für die Eltern
„..ist es das perfekte Geschenk für das intellektuell gehobenere Elternhaus mit vorzugsweise fünf Kindern oder Enkeln, für jeden einen Zwanni und Frau Mutter und Herr Vater haben ein Buch in Ihrer Bibliothek, dass sie sicher nicht auf dem Schirm hatten, vielleicht auch nicht sofort lesen werden, aber irgendwann werden Sie Euch eine Email schreiben, in denen Sie sich nachträglich nochmal bedanken, welch eine Entdeckung dieses Buch ist.“
- Harry Thürk: Der maskierte Buddha. Hongkong-Krimis
- Reinhard Kleist: Johnny Cash
- Alejo Carpentier: Le Sacre du printemps
- Alexander von Humboldt: Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung
- Wolfgang Siebeck: Alle meine Rezepte (Leider vergriffen, bitte Googlen)
Weihnachten für uns
„..das Setting – der Sündenpfuhl L.A., Hollywood, nicht weit von Mexiko und Las Vegas und die Geschichte des Protagonisten: Vietnamveteran, moralisch Aufrechter Lonely Wolf, dem ständig die Abteilung Inneres auf den Fersen ist – verspricht genug Ärger für den Helden und damit Spannung für den Leser dieser Reihe und somit Geschenke für die ganze Familie für geschätzte weitere drei bis vier Weihnachten und Geburtstage.“
Kinderweihnacht!
„..und das Kinder erst mal mit positiven Charaktereigenschaften indoktriniert werden, bevor sie im Alter von ganz alleine zynisch und misslaunig werden, ist bei näherer Betrachtung schon in Ordnung. Deshalb, liebe Eltern, kauft Euren Kindern dieses Buch, Ihr habt zunächst Eure Ruhe und müsst später nur dafür sorgen, dass die Gören keine Streber werden. Bitte!“
Der Sommer wird bereits schmerzlich vermisst, aber spätestens, wenn die ersten Nachfragen nach den Plänen für die Silvesterparty schamhaft vorgetragen werden, weiß man, die Zeit des Faulenzens in der Sonne und der spontanen Treffen im Biergarten, als selbst durch den östlichen Teil Deutschland ein Hauch von karibischer Spontanität wehte – nur unterbrochen von vielen Siestas mit dicken Schmökern, sei es am Strand oder auf dem heimischen Sofas – ja, diese Zeit ist nun vorbei.
Denn ab sofort heißt es: Planung ist alles, wenn man nicht – egal, ob Weihnachtshasser oder nicht – die letzten Wochen des Jahres im Dauerstress verbringen möchte – und sei er nur durch die Vermeidung ebendiesen doch latent vorhanden.
Genug der Betätigungen, die den sinnlichen Genuß des Buchlesens verhindern. Plätzchenbacken, Stollen in Kinderbadewannen kneten, die Räuchermännl und die Schwippbögen und die Pyramiden aufstellen, den Weihnachtsschmuck sortieren und das Silberbesteck putzen, Geschenke einpacken und Anhänger beschriften, bei all diesen Vorbereitungen handelt es sich um Tätigkeiten, die, ob man sie mag oder nicht und dann trotzdem tut, um Vorrichtungen, die durch Hörbücher entscheidend verbessert werden können.
In dieser Sendung stellen wir Hörbücher vor, damit die Beschäftigung mit Literatur für die letzten Wochen des Jahres nicht vollständig aufgegeben werden muss.
Beim Schmücken des Baumes, das in den häufig mit Kindern geschlagenen Familien des Heimatbezirks von coloradio wahrscheinlich mit ebendiesen stattfindet, empfehlen wir die „Zauberlandreihe“ von Alexander Melentjewitsch Wolkow, der auch Professor für höhere Mathematik war. Mit der Zauberlandreihe schuf er eine Art Harry-Potter des Ostens, basierend auf der Geschichte vom Zauberer vom Oz. Im ersten Band von insgesamt sechsen, „Der Zauberer der Smaragdenstadt“, fliegt auch ein kleines Mädchen namens Elli, begleitet von ihrem Hund Totoschka in ein Märchenland, in dem böse Hexen herrschen; trifft Scheuch, eine Vogelscheuche, die gerne Verstand hätte, den Eisernen Holzfäller, dem das Herz fehlt und den Feigen Löwen. Besonders die Vermittlung von egalitär-humanistischen Moralvorstellungen scheint der Redaktion von Studio B ihre Empfehlung wert.
Stephen Colbert, Talkshowhost mit nicht unbeträchtlichem Einfluß auf die Kultur der Nation, zu der er gehört, nämlich der us-amerikanischen, formuliert in seinem Werk „I am America and so can you“ nichts weniger als den Führungsanspruch an eben diese. Und weil er das so überzeugend macht, wird er wohl eines Tages sein Ziel erreichen: Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Bis dahin müssen die Republikaner aber erstmal zu Kräften kommen. Politik ist Stephen Colbert nichts, traditionelle Werte alles. Und so hörte er auf seinen Präsidenten Barrack Obama, als dieser ihn aufforderte, sich den Kopf zu rasieren, um als echter GI die Truppen im Irak zu unterhalten und den Sieg zu verkünden. Dies alles und mehr findet sich auf Colbertnation.com.
Die Essenz seiner Ansichten nun im hier und heute vorgestellten Hörbuch, gelesen von ihm selbst: „I am America, and so can you!“
Für alle Freundinnen und Freunde des klassischen hardboiled Kriminalromans mit allen seinen Elementen, also einem misantrophen, zu viel trinkenden und rauchenden Kinky als Detektiv in New York, dazu viel zum harten Leben und die Liebe zu Katzen gibt es ein Hörbuch des Erstlingswerkes vom schachspielenden, muzierenden, sich mit überraschenden Wahlprogrammen profilierenden Kinky Friedman: „Greenwich Killing Time.“ aus dem Jahre 1986.
Der Aufmerksame Studio B – Hörer wird soeben wild insistierend die Kommentarfunktion der Studio B Website für Beschimpfungen Tomo Enoschen Couloirs benutzen, denn, Thomas Bernhards „Holzfällen“ haben wir vor Jahren schon einmal in Ausführlichkeit vorgestellt, aber was sollen wir tun? Er trifft unser Novembergraues Misantrophentum auf den Punkt und wenn man gepolt ist wie der Rezensent, der das Grauen vor Augen haben muss, um sein Verfallen demselben zu erkennen, der muss dieses Meisterwerk des kompromisslosen Sprachrhythmus – nicht lesen, er muss es hören:
Hunther S. Thompson, erst in der lezten Sendung von meiner Kollegin Irmgard Lumpini mit seinem den Gonzo-Journalismus begründenden Werk „Hells Angels“ kurz empfohlen, ist weltweit im Mainstream mit der Verfilmung seines wohl berühmtesten Werkes „Fear and Loathing in Las Vegas“ angekommen. Das war 1998 und man sah, Johnny Depp sei Dank, dass der Film gut war. Im Jahr 2001 jedoch begab sich Erstaunliches. Drei Jahre nach dem Erscheinen des Kultfilmes wagte es der Verlag Kein & Aber aus dem Buch ein Hörbuch zu machen, auf Deutsch und zudem mit solchen Larven wie Martin Semmelrogge und Smudo. Was für Drogen waren da wohl im Spiel, fragt man sich und sagt nach 15 Sekunden Hörens: Nur die Besten! Aber Vorsicht, die Nachwirkungen des Hörgenusses sind leicht mitleidige Blicke Unwissender, wenn man bei der nächsten Party vehement solche Larven wie Semmelrogge und Smudo vor der allgemeinen Verachtung in Schutz nimmt. Ihr seid gewarnt.
Apropos Kinder
David Sedaris, Buchautor und Verfasser von Kurzgeschichten im Studio B Leib- und Seelenmagazin „New Yorker“, hat eine Lebensgeschichte wie gemacht als Zielscheibe konservativer Talkshowhosts. Er ist schwul, lebt ein halbes Jahr in New York und das andere mit seinem Freund in Südfrankreich, und ist der einzige Bruder von 5 Schwestern, macht also alles Sinn. In seinem Erstlingswerk, dem Kurzgeschichtenband „Barrel Fever“, auf deutsch „Fuselfieber“, berichtet er unter anderem von seiner Jugend und versucht dabei nur wirklich wenige Klischees auszulassen. Wer das englische Original nicht lesen möchte, muss mit der bei Erstlingswerken leider üblichen, leicht einfallslosen, Übersetzung leben, wird aber mit Humor entschädigt, der oft ein bissel „in your face“ ist und den man mögen muss. Da es sich bei „Fuselfieber“ aber um Kurzgeschichten handelt, sind sie prädestiniert für den Hörbuchgenuss zwischen Wohnungsputz und Mutti-kommt-schon-wieder-zu-Zeitig Panik.
Verriss!
Es ist ja nicht so, dass wir bei Studio B nicht gerne verissen – wenn man nur das Werk dazu nicht lesen müsste! Doch für diese Sendung musste es sein:
Immer irritierter vom Erfolg der sublim- (oder auch nicht) reaktionären Erfolgsserie „Twilight“ beschloss sich Irmgard Lumpini des Themas entlarvend anzunehmen und kann nun berichten, wie die Faszination zustande kommt und warum das nicht gut ist.
Wieso die Romane Dan Browns einen derartigen Erfolg haben, kann, zumindest was die belletristische Ebene der Frage betrifft, von Herrn Falschgold nicht beantwortet werden. Der Sinn und Zweck der Bücher Dan Browns konnte geklärt werden: es handelt sich um literarischen Fastfood mit all seinen bekannten Ursachen und Nebenwirkungen.
Kurz angerissen haben wir in unserer Rubrik „Was wir sonst noch lesen“ haben wir diesmal ein Broschüre des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Dresden, eine Reportage von Hunter S. Thompson sowie einen gewohnt umfangreichen Artikel des New Yorker.
Chicken Mc Nuggets werden nicht verkauft, um zu sättigen oder gar Genuss zu erzeugen, Chicken Mc Nuggets sind eine Möglichkeit, mit geringstem Aufwand aus dem letzten noch möglichen Abfall tierischer Herkunft etwas zu machen, dass dem Konsumenten gerade noch bis zum letzten Stück möglich ist zu essen. Extremer Aufwand wurde von Dan Brown wie von McDonals betrieben, jedes Detail des Produktes so zu gestalten, dass maximal berechenbarer Profit möglich ist, vom recycelten Rohstoff über das Marketing, das Vermeiden von Verärgerung einflussreicher Lobbyisten bis hin zur Vorbereitung des nächsten Produktzyklus.