Kurz angerissen haben wir in unserer Rubrik “Was wir sonst noch lesen” diesmal ein Broschüre des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Dresden, eine Reportage von Hunter S. Thompson sowie einen gewohnt umfangreichen Artikel des New Yorker.
Kurz angerissen haben wir in unserer Rubrik “Was wir sonst noch lesen” diesmal ein Broschüre des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Dresden, eine Reportage von Hunter S. Thompson sowie einen gewohnt umfangreichen Artikel des New Yorker.
Die Krise als Spektakel zu behandeln spart schlaflose Nächte, meint Herr Falschgold in dieser Ausgabe von Studio B, ist gleichzeitig aber überzeugt, dass ein Spektakel mit einem gewissen Grundverständnis der Action auf der Weltenbühne deutlich mehr Sinn macht – die Nibelungen besucht man schließlich auch erst nach Konsultation des Opernführers. Also stellen wir heute das Programmheft zur Finanzkrise vor: „The Ascent of Money“ von Niall Ferguson.
Eine fiktive Krise, die Machtübernahme der Nazis in den USA während des zweiten Weltkrieges – wie von Philip Roth in „The Plot against America“ beschrieben – haben wir hier schon rezensiert, Frau Lumpini beleuchtet das Buch noch einmal von einer anderen Seite.
Immer wieder stellen wir fest, dass wir Bücher zwar gerne empfehlen würden, das zu preisende Werk jedoch keine amtliche Rezension ergibt. Einige dieser Schmöker empfehlen wir heute in der Rubrik „Was wir sonst noch lesen“.
Viel Spass beim digestieren der Rezensionen und noch mehr beim Nachlesen wünschen entzückt,
Frau Lumpini & Herr Falschgold
Somit ist „The Ascent of Money“ der ideale Opernführer für das derzeitige Drama, dass irgendwie (noch) niemanden persönlich so zu tangieren scheint, wie es ihm der Anchorman weiszumachen sucht.
Auf 450 Seiten erzählt Ferguson in unprofessoralem Ton, geschichtendurchwoben von dem Ding, das als simples Hilfsmittel begann, um Ernteeinkünfte mit Viehherden besser verrechnen zu können und heute fast allen Menschen fast alles auf der Welt ist.
..Im Unterschied zu Dystopien wie „1984“ von George Orwell oder „The man in the high castle“ von Philip K. Dick entwickelt sich Philip Roths „The plot against America“ langsam aus real-historischen Gegebenheiten und Ereignissen, deren Auswirkungen verfremdet werden und die aufgrund einer annehmbaren Wahrscheinlichkeit eine extrem beklemmende Wirkung erzielen. 1940 gewinnt der Antisemit und Hitlerfreund Charles A. Lindbergh die Präsidentschaftswahlen und eine jüdische Familie findet sich in einem Alptraum wieder, den ihr jüngster Sohn, der achtjährige Philip Roth, erzählt…
In einer speziellen Rubrik „Was wir sonst noch lesen“ stellen wir heute fünf Bücher vor, bei denen es irgendwie nicht zu ausgewachsenen Rezensionen gelangt hat, die jedoch nichtsdestotrotz fast gänzlich zu empfehlen sind, als da wären:
„…Der Drang zu wissen was die Welt im Innersten zusammen hält scheint nach der Erledigung der trivialeren Probleme der menschlichen Existenz, das Thema zu sein, dass den Menschen bewegt. Den Drang zur Sinnessuche haben Priester und Diktatoren ausgenutzt, in Poesie verwandelten ihn Dichter und Musiker und zur meist seriösen Anhäufung von Ansehen benutzen ihn z.Z. Wissenschaftler..“
„.. Das schlechte Gewissen, Ingo Schulzes Wende-/Nachwenderoman nicht in der Rezension des „Turms“ diesem entgegengestellt zu haben wurde selbstgerecht mit der Begründung weggewischt, beim Hören des Ersteren noch kein de facto Literaturrezensent gewesen zu sein, obwohl es schon wurmt, verpasst zu haben, die unprätenziöse Ehrlichkeit Ingo Schulzes der selbstbeweihräuchernden Verlogenheit des Uwe Tellkamp gegenüberzustellen..“
„.. Bei einer durchschnittlichen Studio B – Rezensionsdauer zwischen fuenf und zehn Minuten und einer Einleitung von zweien braucht man kein Psychologe zu sein um dem Rezensenten den Schweiss von der Stirn rinnen zu hoeren, hier drueckt sich einer um’s Verdikt, hier ist jemand „gar nicht zufrieden“, vielleicht auch nur „gelangweilt“? „peinlich beruehrt“? „nicht beruehrt“? ..“
In dieser Ausgabe von Studio B teilt Irmgard Lumpini ihre Begeisterung für’s Boxen [intlink id=“783″ type=“post“]noch einmal [/intlink]mit, diesmal mit der Biographie des Bantamgewichtsboxers Panama Al Brown, geschrieben allerdings von und damit aus der Perspektive eines Malers, von Eduardo Arroyo.
Herr Falschgold brauchte für alle seine Beiträge etwas länger: Es dauerte fast 10 Jahre, bis er mal wieder einen „jungen deutschen Autoren“ zur Hand nahm, die Wahl fiel auf Juli Zehs Roman „Schilf“, (zu) lange hat es auch gedauert, bis ihm einfiel, dass Ingo Schulzes Wenderoman „Neue Leben“ das perfekte Beispiel für einen ehrlichen Umgang mit der eigenen Geschichte gewesen wäre,[intlink id=“16″ type=“post“] als es darauf ankam[/intlink], er stellt das Werk nun zumindest als Hörbuch vor und sehr lange hat es auch gedauert, bis er sich dazu durchringen konnte, sein Nachttischbuch seit zwei Jahren „Der Stoff aus dem der Kosmos ist“ von Brian Greene vorzustellen, warum, erklärt er in seiner Rezension.
Dazu Musik u.a. von Hello Yes Yes, George Gershwin und den Einstürzenden Neubauten, viel Vergnügen wünschen
Irmgard Lumpini und Herr Falschgold
Auch wenn vermeintliche Brutalität und Gewalt der Kämpfe und ihr
Publikum, meist angesiedelt zwischen Unterschicht und B-Prominenz,
Bessersituierte oder pazifistische Intellektuelle mit angewidertem
Gesicht von modernen Gladiatorenkämpfen sprechen lassen, so
existiert doch noch ein kulturelles Gedächtnis, dass unter anderem
Ernest Hemingway oder Albert Camus als begeisterte Boxer zu nennen
weiß und Joe Louis, Jack Dempsey und Muhammed Ali als Helden zählt.
Unser Gedächtnis wird durch A. J. Lieblings großartige Boxreportagen
aufgefrischt, die zwischen 1951 und 1955 entstanden und im New
Yorker erschienen, sind nun ins Deutsche übertragen worden. Frau Lumpini berichtet.
Wir stehen an der Schwelle zu einem Medienwechsel für Geschriebenes wie er nur mit dem Verdrängen der Steinplatte durch den Papyrus zu vergleichen ist. Gestandene Fortschrittsverweigerer argumentieren noch heute, der Brand der Bibliothek zu Alexandria hätte vermieden werden können, würden wir heute noch Keilschrift in Lehm drücken. Das Ebook kommt trotzdem, weiss Herr Falschgold.
Man hat als Zoni machmal das Gefühl, Stanislaw Lem, wäre nur von ostdeutschen Jugendlichen unter 16 gelesen worden. Wenn das so wäre, wäre es schade und dringend zu korrigieren. Z.b. mit dem Hörspiel „Der futurologische Kongress“.
Ebooks – ein Überblick von Herrn Falschgold
… Der entscheidende Anstoss zur Verbreitung von Ebooks koennte allerdings aus einer vermeintlich todgeweihten Branche kommen – dem Journalismus. Seit Jahren investieren etablierte Zeitungen wie die New York Times oder der Guardian in ihre brillianten, kostenlosen Online-Auftritte, ruinieren sich dabei zusehends und suchen verzweifelt nach einem Businessmodell, dass ihnen das Ueberleben garantiert. Und so bietet die Times Amazons Kindle leicht subventioiniert zusammen mit einem Abbonement ihrer Zeitung an – leider zu einem nicht wirkich attraktiven Preis und zudem nur an Abbonenten, die die Printausgabe nicht erreicht …
Wenn man jung ist und jede Zukunft gleich weit entfernt, liesst man utopische Romane. Irgendwann jedoch wird man des Unterschieds gewahr zwischen den Moeglichkeiten des 23. Jahrhunderts und wenn das Abitur geschafft ist, dass schon die Verheissungen vom Beginn des Schuljahres wenig mit den Ereignissen beim Abschlussball gemein hatten und ahnt Betrug, wenn von Weltenfrieden und Sex mit Aliens zu lesen ist.
Jahre spaeter merkt man, dass man es mit Zu- wie Abneigung zum Genre uebertrieben hat..
Thomas Bernhards Monolog mit seinen immer wieder variierten Themen, bei denen der Erzähler häufig Gespräche mit Wertheimer, dem Untergeher, repetiert, mit den möbiusbandgleichen Schleifen „sagte er, dachte ich, hatte er gesagt, dachte ich, hatte er gedacht, sagte ich mir“ ist ein Sog, der die gelesenen Sätze im Kopf hören lässt und mindestens für die Zeit der Lektüre bei entsprechender Veranlagung eine ausgeprägte Misantrophie erzeugt. Sehr zu empfehlen.
Vor Monaten schon verschenkte Heiko Schramm, einer unserer liebsten Vorleser hier bei Studio B, den Roman „Der Untergeher“ von Thomas Bernhard an den Herrn Falschgold. Nun wusste dieser a) ansatzweise über die Schwere und Dunkelheit des Werkes Bescheid und neigt b) zu oberflächlichem Halodri, was ihn immer wieder zu leichter verdaulichem Wortgut greifen ließ, statt sich dem brillanten Werk zu widmen. Irmgard Lumpini nahm sich dieses Versagen zum Anlass und rezensiert heute nicht nur für Herrn Falschgold besagtes Buch.
Dieser revanchiert sich mit der Rezension eines Klassikers der kulinarischen Literatur aus einer ganz unvermuteten Ecke. Erfolgreich und ruhmessatt zog sich Alexandre Dumas zum Ende seiner Tage („Der Graf von Monte Christo“, „Die drei Musketiere“) zusammen mit seiner Köchin auf’s Land zurück und schrieb auf eintausend Druckseiten ein, falsch, „Das Große Wörterbuch der Kochkunst“. Erst vor einigen Jahren auf Deutsch erschienen ist es Anekdotensammlung, Geschichtsbuch und Inspiration für einen jeden, der die Zubereitungshinweise auf der Miracolipackung nicht mehr lesen muss und trotzdem einen Teller Spaghetti mit Tomatensoße herausbekommt.
Zu Do It Yourself! der klassischen Art versuchte bereit 1959 das im Rudolf Arnold Verlag erschienene Heft „Kleister mit!“ zu animieren. Prägend für Irmgard Lumpini, unterzieht sie die methodische Anleitung für Werkarbeiten aus Papier und Pappe einem gründlichen Check, was man heute noch mit den dort vermittelten Fähigkeiten anfangen kann. Tipp: Erstaunlich viel.
1959 im Rudolf Arnold Verlag Leipzig veröffentlicht, wurde die „Methodische Anleitung für Werkarbeiten aus Papier und Pappe“, wie auf der 2. Umschlagseite vermerkt, vom Deutschen Zentralinstitut für Lehrmittel für die Verwendung in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen der Deutschen Demokratischen Republik empfohlen.
Wer den Klassiker der DIY! Kultur absolviert hat, hat alles für die Streetartkarriere im Paste-up Bereich gelernt: Paste-Up bezeichnet im Allgemeinen ein mit Kleister oder Leim aufgezogenes Plakat. Diese Art der Kunst fällt in die graue Zone der Gesetzesgebung, da die Plakate meist rückstandslos entfernt werden können und somit keine illegale Handlung darstellen.
Die Haltbarkeit läßt sich jedoch mit Glassplittern im Kleister verlängern.
Am Donnerstag, dem 9.Juli 2009 ab 21:30 gibt es hier die nächsten Rezensionen:
Herr Falschgold bemüht sich heftig Deutschsprachige Literatur zu entdecken, die ihn anspricht, kann aber Verrisslosigkeit für die nächste Sendung nicht garantieren. Frau Lumpini lernt gerade etwas über die Geschichte des Calvinismus, ob das Werk rezensionswürdig ist, werden wir sehen. Wie immer, sobald wir mehr wissen, sagen wir auch mehr.