Kategorien
Buch Neal Stephenson REAMDE Rezensionen

Action!

„..Wie gesagt, der Beginn einer All-American-Novel, wie es auch Jonathan Franzen nicht anders macht, aber Neal Stephenson vergisst nicht, dass es vor allem Geeks sind, die seinen Roman lesen, dessen Titel man die ersten drei mal als README, liesmich, überliest, und bei dem es einem erst beim vierten mal aufgeht, halt, REAMDE, das M und das D sind vertauscht. What the fuck?..“

Kategorien
A. J. Liebling Buch Rezensionen Tom Vogel

Blumenkohlohren durch Pugilismus

… A. J. Liebling beschreibt Boxen als fortlaufende Geschichte von Generationen, in denen Männer, die miteinander kämpfen, Geschichte direkt weitergeben, und er, der selbst den Boxkampf in seiner Jugend praktiziert hat, nennt es ein – Zitat – „erregendes Gefühl, vom frühviktorianischen Zeitalter nur durch eine Serie von Schlägen auf die Nase getrennt zu sein.“ – Zitat Ende …

Kategorien
A Christmas Blizzard Buch Garrison Keillor Hörbuch Rezensionen

Superhero #1

„…Wenn die Radioshow nicht an ihrem Stammplatz, dem Fitzgerald Theatre in St. Paul, der Hauptstadt von Minnesota, aufgezeichnet wird, geht sie auf Tour, und findet dann an uns so wundersam erscheinenden Orten wie z. B. der Landwirtschaftsmesse in Michigan statt. Zitat: „Wir touren mit der Show, weil ein Schriftsteller herauskommen und Sachen entdecken muss.“ Dort verkostet Garrison Keillor Rhabarberkuchen und besichtigt Rinder. Er macht sich über die Landbevölkerung lustig, und überraschenderweise lachen sie mit ihm gemeinsam…“

Kategorien
2030 Albert Brooks Buch Rezensionen

Not Dying In The USA

„..Erzählt wird dieser Teil der Ereignisse, wie das ganze Buch aus den Blickwinkeln eines knappen Dutzends Handelnder, ein Verfahren, was in einer TV-Serie mit 22 Folgen im Jahr Sinn macht, die Spannung oben hält und für Cliffhänger sorgt – in einem Buch von ein paar hundert Seiten wirkt es…gewollt, bestsellerheischend, Dan Brownisch – und macht einen entsprechend wahnsinnig..“

Kategorien
Buch Nigel Slater Real Fast Food Rezensionen

Superhero #2

„…Letztens wollte ich dies dann ändern und musste feststellen, dass meine Miniküche überhaupt keinen Lagerraum für Lebensmittel hatte und mein Minikühlfach nur eine Wodkaflasche, die ich für Gäste bereithalte, fassen kann. Ich kaufte also ein kleines Regal und einen Kühlwürfel, um mir permanente Supermarktbesuche zu sparen. Und dann bekam ich ein Kochbuch geschenkt, dessen Inhalt und Autoren ich nicht genügend lobpreisen kann.  Nigel Slater, Verfasser diverser preisgekrönter Kochbücher und einer wöchentlichen Kolumne für den britischen Observer, versteht mich. Nie hat mich ein Buch persönlicher angesprochen, auch wenn ich – wie alle Menschen – gelegentlich zur Identifikation mit den Protagonisten dicker Romane neige!…“

Kategorien
Aufmacher Komplette Sendung

Drogen, Helden, Staatsverschuldung

In dieser Folge:

Ging Niall Fergusson in „The Ascent of Money“, hier vor einigen Monaten rezensiert, das hochaktuelle Thema Staatsverschuldung sachlich, erklärend und hochinformativ an, versucht sich nun Albert Brooks in „2030“ an diesem Thema in der Form eines Romans. Die Betonung liegt auf  „versuchen“.

James Ellroy, der Erfinder des Hauptheldenlosen Thrillers, hat einen würdigen Apprentice gefunden: Don Winslow entwickelte sich von einem machbaren Krimiserienschriftsteller 2006  mit „Power of the Dog“ zum Meister des mäandernden Kriminalwälzers, was dieses Jahr  selbst die Preisverleiher der Tatortnation anerkennen mussten  – „Tage der Toten“ heisst das Buch seit letztem Jahr übersetzt (und ist seit diesem Jahr im Paperback zu haben).

Und weil das Leben zu kurz für Langeweile ist, werden auch 2 persönliche Superstars vorgestellt: Ausführlich wird das Lebenswerk von Garrison Keillor in Radio- und Literaturwelt gewürdigt, und Nigel Slater, der schon einmal für die Gourmets vorgestellt wurde (hier), erfährt nun Würdigung für sein Verständnis des Lebens von Menschen, die keine 5 Stunden in ein Menü investieren können, aber gut essen wollen.

Kategorien
Aufmacher Komplette Sendung Rezensionen

Alles Nazis.

Ob Revolution in Nordafrika, Umsturz in Pakistan oder Regierungswechsel in Portugal – was wie und warum und aus welchem Anlass in den Ländern, beteiligten Parteien und Köpfen der Menschen geschieht, ist aus dem Ausland selten sofort zu verstehen. Noch schwieriger wird es, Ereignisse zu rekonstruieren und die Ursachen, Auswirkungen oder Motive der handelnden Personen zu verstehen, wenn diese Jahrzehnte zurückliegen und durch Historisierung verfremdet wurden.

Obwohl oder vielleicht auch weil die Zeit des Nationalsozialismus überwiegend gut erforscht scheint, und unzählige Male die Geschichte der Machtergreifung der Nationalsozialisten erzählt wurde, ist man immer wieder überrascht andere Blickwinkel zu entdecken, die diese Zeit nicht immer erklären, aber lebendig werden lassen. Ob der Irrtümer, denen man vielleicht doch erlegen war, beurteilt man am Ende so manche Nachricht über aktuelle Ereignisse etwas vorsichtiger.

Zwei Bücher, die die Zeit zwischen 1933 und 1936 in Deutschland aus sehr interessanten Perspektiven beleuchten, werden heute besprochen:

  • In the Garden of Beasts: Love and Terror in Hitler’s Berlin: Love, Terror, and an American Family in Hitler’s Berlin von Erik Larson
  • Nachrichten aus Berlin: 1933-36 von Antoni Graf Sobánski

Die zeitliche Deckungsgleichheit der Werke liess uns diesmal vom Schema Rezension/Lesung abweichen – stattdessen setzten sich Irmgard Lumpini und Herr Falschgold in die Küche und stellen die Bücher vor, unterhalten sich über sie und lesen aus ihnen – zur Erhellung der geneigten Hörerschaft.

Kategorien
#noaudio Buch Erik Larson In the Garden of Beasts: Love and Terror in Hitler's Berlin Rezensionen

Der aufrechte Herr Dodd

„..Dodd’s happy anticipation of his upcoming leave was marred by two unexpected demands. The first came on Monday, March 5, 1934, when he was summoned to the office of Foreign Minister Neurath, who angrily demanded that he do something to halt a mock trial of Hitler set to take place two days later in New York’s Madison Square Garden. The trial was organized by the American Jewish Congress, with support from the American Federation of Labor and a couple of dozen other Jewish and anti-Nazi organizations. The plan so outraged Hitler that he ordered Neurath and his diplomats in Berlin and Washington to stop it.

One result was a sequence of official protests, replies, and memoranda that revealed both Germany’s sensitivity to outside opinion and the lengths U.S. officials felt compelled to go to avoid direct criticism of Hitler and his party. The degree of restraint would have been comical if the stakes had not been so high and raised a question: why were the State Department and President Roosevelt so hesitant to express in frank terms how they really felt about Hitler at a time when such expressions clearly could have had a powerful effect on his prestige in the world?..“

Kategorien
#noaudio Antoni Graf Sobánski Buch Nachrichten aus Berlin: 1933-36 Rezensionen

Einstige Welt wird dumpfe Provinzialität…

„Was für ein dankbares Menschenmaterial sind doch die Deutschen! Man braucht ihnen nur Hungerlöhne und eine schwache Hoffnung auf Arbeit zu geben, und schon produzieren sie von selbst eine erstaunlich große Portion an Frohsinn. … Sollte es je zu einem europäischen Massaker kommen, wird wohl nicht der Eroberungsdrang oder die Aggressivität der Deutschen daran schuld sein, sondern ihre stürmische und naive Liebe zur Uniform, die Begeisterung für das Marschieren in Reihen, sich am liebsten als Rädchen in einer leistungsfähigen Maschine zu fühlen…“ (S. 143, S. 202, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2009)



Kategorien
Buch Irmgard Lumpini Rezensionen Robert Charles Wilson Spin

4×109AD

„..Zu Recht erwartet der Käufer eines Science Fiction Romanes im Verhältnis zu, sagen wir, einer Günther Grasschen Lebensgeschichte, einen gewaltigen Brainfuck, eine Show, etwas, was im besten Fall nicht nur unerwartbar ist, sondern die Frage „Wie wird es wohl weitergehen“ nahezu sinnfrei erscheinen lässt, die komplette Verwirrung, Ursachenforschung gerade noch möglich, Staunen und ein „Scheiße, darauf muss man erst mal kommen“. .“

Kategorien
Buch Der Sommer ohne Männer Ms. Stark Rezensionen Siri Hustvedt

No Men No Cry

„..The Summer Without Men“ ist keineswegs ein Roman ohne Männer. Ihre körperliche Abwesenheit schmälert ja keineswegs ihren Einfluß auf die Frauen und Mädchen, denen Mia begegnet. Während die Männer bei den jungen Mädchen ihres Poesiekurses noch nicht anwesend sind und gerade erst interessant werden, sind sie bei Mias Mutter und ihren Freundinnen oft lange verstorben oder verschwunden, und spielen doch in ihrem Einfluß auf das gelebte Leben, dessen Wendepunkte in persönlichen Gesprächen reflektiert werden, eine große Rolle…“

Kategorien
Buch Die Lügen des Locke Lamora Irmgard Lumpini Rezensionen Scott Lynch

Gentlemen Bastards

„..Sie sind aber nur schockierendes Mittel zum Zweck – Scott Lynch ist für ein Erstlingswerk ein unerschrockener Anhänger der Theorie, dass man für die Entwicklung der Story nicht davor zurückschrecken darf, handelnde Personen – und seien Sie noch so sympathisch und ans Herz gewachsen – sterben zu lassen..“

Kategorien
Komplette Sendung Rezensionen

Sternenklare Sommernächte

Auch Rezensenten, denen mit dem Buch vorm Kamin der Winter nicht so viel zu schaffen machen sollte wie spargeldünnen Langlaufzealoten, geht die kalte Dunkelheit gelegentlich gehörig auf den Keks.

Um so verwunderlicher, dass dem Verfasser des Aufmachers für die aktuelle Studio B Sendung erst justament beim Schreiben dieser Zeilen auffällt, dass alle drei besprochenen Bücher zu großen Teilen in schweißtreibenden Jahreszeiten und Gegenden spielen. Das spricht wohl deutlich für die inhaltlichen Fesselungskünste der Werke, die da wären:

The Summer Without Men von Siri Hustvedt:  Irmgard Lumpini ist ob des auf billigstem Papier gedruckten Paperbacks der englischen Ausgabe von Siri Hustvedts neuem Roman „The Summer Without Men“ gerührt: die älteste Geschichte des Patriarchats (Mann verläßt Ehefrau nach 30 Jahren für eine Jüngere) wird mit Poesie, seltsamen Briefwechseln, einem pornographischen Tagebuch, Wissenschaftsgeschichtskritik, unzähligen Frauen jeder Generation und einer Vorläuferin der Stitch’n’Bitch Bewegung intim und hinreißend erzählt.

Spin von Robert Charles Wilson: Offiziell ein Science Fiction Roman und passend auch mit einer grandiosen, fantastischen Idee gesegnet – aber trotzdem viel mehr als das.

und

Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch: Ein gerissener Roman über gerissene Betrüger in einer Fantasywelt irgendwo zwischen Venedig und Alchemistan

Viel Vergnügen wünschen

Irmgard Lumpini und Herr Falschgold

Kategorien
Aufmacher Komplette Sendung Rezensionen

Buchgeschenkt!

Wie jedes Jahr im Dezember wird aus „Studio B – Lobpreisung und Verriss“ das letzte beschreibende Substantiv gestrichen und ausschliesslich empfehlenswertes Lesewerk den weihnachtgeschenkpanischen Hörerinnen und Hörern an’s Herz gelegt, auf dass diese es Freund und Feind unter den Weihnachtbaumen amazonieren.

Irmgard Lumpini übernahm in diesem Jahr die Rolle der anspruchsvollen Rezensentin und Herr Falschgold empfahl dazu Gut-Triviales:

Don Delillo – Mao II.

Thoms Pynchon – Vineland

Egon Nehuhaus – Spinnewipp: Autobiographischer Roman

Uwe Johnson – Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl. Einbändige Ausgabe (suhrkamp taschenbuch)

Philip K. Dick – Flow, My Tears, the Policeman Said (S.F. Masterworks)

Joachim Ringelnatz – Kinder-Verwirr-Buch

Lee Child – Größenwahn: Ein Jack-Reacher-Roman

Richard Dawkins – Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat

Ken Follet – Die Säulen der Erde: Das WDR Hörspiel. Hörspiel

Kategorien
Allgemein Almaterstr. Buch Germar Grimsen Jörg Sundermeier (Vorleser) Rezensionen

Misantr.

„Lag morgens lange im Bett. So endet dieser Tag.“ Eine Straße in Bremen-Walle. Almatastraße. Ein Hochhaus, darin ein Mann. Den ganzen 18. Stock hat für sich, durch einen Zufall. Ein trauriger Denker ist er, ein armer Schlucker, gepeinigt von den Mitmenschen und der elenden Umwelt. Nicht einmal sein Freund Clemens versteht ihn. Und auch die Liebe bietet keinen Ausweg. Germar Grimsen eröffnet in „Almatastr.“ ein Panaroma der Ausweglosigkeit, er bietet das Tagebuch eines Misanthropen, den Leserinnen und Lesern zum Vergnügen – denn „Almatastr.“ ist ein äußerst komisches, ein ungemein erheiterndes Buch. „Biß in Schmelzkäse. Zahnfleischbluten.“ Am 5.11. stellte Jörg Sundermeier das Buch in Dresden vor und las daraus…
Kategorien
Allgemein Buch Daemon Daniel Suarez Freedom(TM) Jeff Gurner Rezensionen

Leveling Up

Er hat seinen Gibson und seinen Stephenson gelesen, aber auch seinen Lee Child und Michael Connelly, er hört, vermuten wir mal, die Podcasts NO AGENDA und „The Giant Bombcast“ und entwickelt vor unseren Augen eine Story in und eine Vision von unserer vernetzten Gegenwart und nahen Zukunft, wie sie plausibler von noch niemandem geschrieben wurde – auch wenn William Gibson, zuletzt mit Spook Country, schon nahe dran war.