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Eines Morgens schlurfte Kenny an meinen Tisch. Schielendes Buchgedeckel: Was ich denn da so, manisch läse?
“Ein amerikanischer Albtraum” von James Ellroy.
“Heshie, das ist Dreck, davon wirst du kein besserer Mensch!”
Nun, er hatte Recht.
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Eines Morgens schlurfte Kenny an meinen Tisch. Schielendes Buchgedeckel: Was ich denn da so, manisch läse?
“Ein amerikanischer Albtraum” von James Ellroy.
“Heshie, das ist Dreck, davon wirst du kein besserer Mensch!”
Nun, er hatte Recht.
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Nach schwersten Themen wie Krieg, Truman Capote und Supergesindel hatten sich die Studio B Rezensenten etwas Auslauf verdient, konnten sich frei und ohne jedes Diktat ein Werk erwählen und kamen doch nicht ganz von dem los, was sie auch sonst so umtreibt. Rezensenten halt.
Den Anfang macht Hesh mit dem weiträumigen Heranpirschen an seine Lieblings-Shortstory: “Das Größte auf Erden” von Norman Mailer.
Irmgard Lumpini stellt ein Werk mit großem Anspruch und noch größeren Ideen vor: „Die Katastrophe verhindern – Manifest für ein egalitäres Europa“ von Zissis Papadimitriou und Karl Heinz Roth.
Herr Falschgold schlussendlich muss sich wieder über Alles und Jeden lustig machen und findet darin den perfekten Spielkameraden: Craig Ferguson mit seiner Autobiographie “American on Purpose: The Improbable Adventures of an Unlikely Patriot “und einen unerwartet tiefgründiges Werk des gleichen Comedians: „Between the Bridge and the River“.
„Was bleibt da noch zu diskutieren?“ fagten sich alle beteiligten und rundeten die Show musikalisch mit The Beatles, dem von Faschisten ermordeten griechischen Rapper Killah P, Joy Division und The Decembrists ab.
Ab in’s Gehege!
„..Gegen die Zerrbilder einer manipulierten oder willfährigen, in jedem Falle aber reisserischen Presse helfen nur Informationen aus erster Hand von Leuten, die den Krieg am eigenen Leib durchlitten. Einer unter 10000 Jungs kommt dann manchmal auf die Idee, ein Buch zu schreiben könnte ihm und anderen helfen, mit dem Irrsinn des einem widerfahrenen Alptraums besser fertig zu werden. Beim Blick auf die Lebensläufe dieser Autoren scheint das für Sie selbst nicht wirklich funktioniert zu haben, keiner von ihnen ist zu Lebzeiten mit dem Prädikat “Nach Veröffentlichung weniger geschädigt..” durchgekommen. Das komplett irrationale Wesen des Krieges, der, einmal in Gang, nur seiner eigenen mörderischen Logik folgt, ist wohl nicht zu verstehen. Verstehen sollte man vielleicht: Der Mensch als solcher kann ein blankes Vieh sein…“
„Woraus sich ergibt, dass Junger in seinem Leben kein Freund der Taliban mehr wird. Nicht aus heren ideologischen ZDF-Terrorismus-Expertengründen, sondern weil er ein Jahr lang in einem Vorposten in Afghanisten namens „Restrepo“ gelebt hat. Wie der Posten zu seinem Namen kam, erzählt er mit einer kleinen Geschichte über drei der Platoonmitglieder, die kurz vor dem Abmarsch ins Korangaltal nochmal das Leben genießen, einen Kurzausflug nach Rom machen..“
„…Der auch heute noch vorherrschende heteronormative Dualismus wurde von vielen Feministinnen der 2. Welle nicht bekämpft, sondern sie vertraten zu einem Großteil die Annahme, dass Frauen die besseren Menschen seien mit den positiven Zuschreibungen wie z. B. der Friedfertigkeit, die ihr auch die Gesellschaft gegeben hatte. Ein Motiv der kämpfenden Frauen, die diese auch in den Interviews bestätigten, war aber auch Rache, die vom humanistischen Gesichtspunkt aus als negativ und rückwärtsgewandt bewertet wird. Damit war es auch aus Sicht der neueren Historikerinnen schwierig, dieses Motiv anzuerkennen…“
Das konnte fast nicht ausbleiben: Eine Diskussion über Kriegsliteratur wird ratzfatz politisch und damit gut hitzig: Irmgard Lumpini, Hesh und Herr Falschgold diskutieren anhand von Lesebeispielen die unterschiedliche Perspektive von Soldaten und Offizieren im Krieg, von Frauen und Männern, von Pazifisten und Bellizisten und dürfen sich dabei gegenseitig so einiges anhören.
Existentieller als in dieser Show geht es nicht: Leben und Tod, Krieg und Frieden, Wahrheit und Legende – das sind die wiederkehrenden Themen in allen Kriegsbüchern, seitdem die Menschen diese brauchen um zu verarbeiten, was sie gerade getan haben. Heiko „Hesh“ Schramm wagt den großen Rundumschlag zu Krieg und Literatur, Irmgard Lumpini bespricht “Sag nie, Du gehst den letzten Weg” von Ingrid Strobl und Herr Falschgold stellt“WAR” von Sebastian Junger vor. Und in der Diskussion danach geht alles nochmal von vorn los, zivilisiert und dennoch streitbar. So ist das, wenn das Thema lautet: War.
We thank Rob Padley for the permission to use one of his drawings. For more of his work have a look at http://zombie365.blogspot.de
Irmgard Lumpini, Heiko Schramm und Herr Falschgold diskutieren über Truman Capote, Music for Chameleons und den Sinn und Unsinn von werkserklärenden Vorworten.
„..Capote spricht in Andeutungen über einen gefühlt als schier endlos empfundenen künstlerischen Kampf, erwähnt die Dämonen seines obsessiven Wesens, irgendwo im Dunkel dieser Zeilen schimmern quälende Fragen um Schuld, und die Angst vor der Sühne..“
„..Ich hatte noch immer gewusst, wie gut es sich anfühlt, Truman Capote zu lesen. Ich hatte das Gefühl jedoch vergessen.
Wo Heiko Schramm Schmerz und Verzweiflung sieht, sehe ich Schönheit ohne Vorbedingung, unendliche Boshaftigkeit und flirrende Luft und das Wissen um das Leben, so an sich, um mit einer dreschenden Phrase zu schließen..“
„..Im Englischen Original findet Capote den Rhythmus eines Erzählers nach der ersten Flasche Champagner, wenn aus einem kleinen, nicht sonderlich bedeutenden Erlebnis eine fesselnde Story wird, weil genau die richtige Menge Ethanol dem Erzähler die Zunge löst, ohne die Worte zu vernuscheln, weil ihm Details einfallen, die leuchten, ohne den Erzählpfad zu überstrahlen..“
„Ich strebe.“ – war (eine von) Truman Capotes gewünschten Grabinschriften. Wonach, wieso – war ihm wohl selbst nicht klar, aber daß Capote ein Leben lang „strebte“ ist langjährigen Capote-Lesern wie Irmgard Lumpini und Heiko Schramm klar und wird dem Capote-Debütanten Herrn Falschgold durch das „Alterswerk“ „Music for Chamaeleons“ klargemacht.
Wie unterschiedlich die Meiungen zu einem Klassiker der Amerikanischen Literatur sein können, zeigt Studio B in dieser Show:
Irmgard Lumpini führt in das Thema ein, Heiko Schramm gibt uns das Big Picture, Herr Falschgold scheint „just not convinced“ (yet) und all das wird besprochen in unserer Diskussion.
„..Der Leser wie die Protagonisten müssen also lernen, nur mit dem Geist von Barry Fairbrother zu leben, in bester Englischer Krimimanier ein charakterbeschreibender Name zum Fingerlecken, ein Barry ist schon vor der Beschreibung der Autorin ein kleiner, leicht rundlicher Freudenspender und ein Fair Brother ist er auch noch. Warum muss so ein guter Mensch sterben, Frau Rowling?..“
„..Verwöhnt wie wir von Helden und Erfolgsgeschichten nun mal sind, weil nur für jene, die es ans Licht schaffen, sich die Geschichte die Mühe macht, von deren Existenz zu berichten, erleben wir schauernd, wie sich das Rad der Möglichkeiten wieder zurückdrehen kann, Menschen in die Schlagschatten ihrer Existenz zurück ”rutschen”..“
„..Bam! Bam! Bam! prasselten die negativen Rezensionen über J. K. Rowling herein. Aber ein Roman, der die Beschreibung einer Kleinstadt und ihrer Bewohner in der heutigen kapitalistischen nordeuropäischen Gesellschaft zum Thema hat – wie magisch darf’s denn sein? ..“
Herr Falschgold, Irmgard Lumpini und Heiko Schramm sprengen die zeitlichen Fesseln, die Ihnen durch’s Radio sonst auferlegt werden und diskutieren so lange sie wollen J. K. Rowling, ihr neues Buch und England.